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Reise nach Sal, März 2013

Tag 1

1.°° Uhr nachts aufstehen in Braunschweig- damit kommen mein Körper und mein Kopf gar nicht klar. Egal, auf nach Sal! Koffer schnappen und los. Leider konnten wir trotz regem Kontakt mit Tui fly kein Kitegepäck mehr mitnehmen. Trotz etlichen Telefonaten, die mich ein Vermögen kosten werden 1,19€/min und mehreren Buchungsbestätigungen zieht Tui fly kurz vorher die Buchungsbestätigung zurück- kein Kontingent mehr frei. Verdammt! Dann müssen beim Kofferpacken halt Prioritäten gesetzt werden. 40kg Gepäck ist erlaubt plus 8kg Handgepäck pro Person. Ein großer Koffer ist gepackt: 2 Kites (11,5er und 9,5er) 2x Neopren, 2 Trapeze, Kite fix, Verbandsmaterial und diverser Kleinkram – 26 kg oh, oh … Der zweite Koffer: ein Kite (13,5er) zwei Hosen, etwas Unterwäsche, ein paar Shirts und je 1x Flip Flops pro Person. Duschzeug passt nicht mehr und muß vor Ort gekauft werden. Der Koffer ist voll und der Rest liegt noch draußen. OK, wir haben ja noch Handgepäck. Die großen Rucksäcke von Best müssen als Handgepäck durchgehen. Also ein Kite (11,5er), Handtücher, Bücher, Sonnenbrillen und Reiseunterlagen- mehr passt beim besten Willen nicht. Alles zusammen 62kg- ob das mal gut geht??

Bildergebnis für flughafen hannover schnee3°° Uhr nachts, Schneeregen und mit – 8° C, schweinekalt. Wir freuen uns auf die Sonne, jetzt nur noch schnell am Check-in vorbei. Die Dame sagt nicht zu unserem Übergepäck und ich versuche mit meinen 12 kg auf dem Rücken total locker dazu stehen. Irgendwie fällt das meinem Freund doch erheblich leichter.

Nach 9 Stunden Flug inkl. Zwischenaufenthalt in Las Palmas/ Gran Canaria kommen wir in Espargos, der Hauptstadt von Sal an. Sal ist eine relativ kleine Insel mit nur 216 km², verteilt auf eine Länge von 30 km und eine Breite von 12 km. Sie gehört, wie auch die anderen Inseln der Archipels zu Afrika und besteht eigentlich aus Ausläufern der Sahara.   Uns wurde von einer landschaftlich wunderschönen, beeindruckenden Insel erzählt. Das, was wir sehen ist karg- sehr, sehr karg. Sind wir wirklich auf der richtigen Insel? Noch schnell ein Visa und dann ab zur Pension. In der wirklich kleinen Vorhalle wartet schon ein Mann mit unserem Namen drauf. Am Auto hilft uns ein netter, junger Mann mit dem Gepäck einladen und ich registriere zu spät, daß der nix mit uns zu tun hat- Trinkgeld will er trotzdem. Völlig perplex bekommt er auch Tip- grrrrr… Ich ärgere mich tierisch, habe aber keine Lust mir die Laune verhageln zu lassen. Kurz vor Santa Maria am Kitebeach sehen wir sie- Dutzende Kites am strahlendblauen Himmel. Und so schnell ist der Schnee vergessen. Wir können es kaum erwarten uns dort einzureihen. Von der kleinen Pension Porta do Vento geht’s mit dem Taxi für 6 Euro zum Kitebeach. Dort angekommen- ist der Wind weg. Unsere Laune sinkt in den Keller. Beim Blick auf die Prognosen bessert sich unsere Stimmung nicht wirklich. Wir haben ein Windloch für die nächsten drei Tage. In 7 Tagen fliegen wir zurück in die Kälte…

Tag 2

Santa Maria, KapverdenElf Uhr ist vorbei und wir lassen uns den ersten Caipirinha des Tages schmecken. Wir sitzen im Sal Beach Club mit tollem Blick auf die Bucht von Santa Maria. Das Wasser in der Bucht ist glasklar und von einem intensiven Türkis. Der Strand hat einen feinen, strahlend weißen Sand und eingerahmt wird das Ganze von Palmen. Das Bild erinnert an Karibik. In den brechenden Wellen üben einheimische Jungs Wellenreiten und man erkennt die Talente von morgen. Die Temperaturen sind bei traumhafte 30°C , aber kein Palmenblatt bewegt sich. Auf dem Pier, der gleichzeitig als Marktplatz genutzt wird, werden fangfrische Fische, Holzskulpturen, Muschelketten und diverse Ausflüge verkauft.

DSCF3223Gott sei Dank- der Wind frischt auf! An der Shark Bay leihen wir uns noch fix ein Board aus. Die Preise sind ganz schön knackig- 7 Tage Waveboard 150 Euro plus 100 Euro Kaution. Die Wellen haben eine moderate Höhe und lassen sich auf als Wave- Anfänger gut fahren. Allerding fühlen wir uns an die ersten Stunden auf dem Kiteboard erinnert. 5 Minuten fahren und 20 Minuten am Strand zurück laufen. Nach 2 Stunden fallen uns plötzlich etliche Menschen auf, die einfach nur aufs Wasser starren- Notfall? Nein, dafür sind alle zu ruhig. Haie? Nein, dann müsste doch jemand den Rest aus dem Wasser holen. DSCF3260Mein Freund hat den entscheidenden Hinweis: „He, der war doch gerade in der Kitelife.“ Tatsache, Airton Cozzolino. Was der mit seinem Board macht, ist der Wahnsinn. Er fällt ins Wasser und taucht mit dem Board an den Füßen (Strapless) wieder auf, wie Phoenix aus der Asche.

Tag 3

Kein Wind- Nicht einmal ein Hauch! Notgedrungen laufen wir in Santa Maria rum und schauen uns etwas um. An der Wasserkante Richtung Ponta Preta kommen wir an mehreren Beachclubs und Kiteschulen vorbei. An der Spitze zwischen Ponta Preta und Santa Maria brechen die Wellen von zwei Seiten. Es sieht toll aus, bringt aber auch eine Wahnsinnsströmung mit sich. Das Wasser zieht einen innerhalb weniger Sekunden die Beine in die eine Richtung und den Oberkörper in die andere Richtung. Trotzdem kommt bei uns das Kleinkind durch, mit dem Kopf voran in die Wellen. Da kommen Kindheitserinnerungen an Ostseeurlaub hoch. Nach weiteren Waschgängen will ich mich zum Luftholen an meinen Freund klammern, aber der hat gar keine Augen für mich. Auf der sich DSCF3352brechenden Welle vor uns fliegt, fährt, tanzt oder eher schwebt Airton Cozzolino mit SUP und Paddel. Er beherrscht die Welle und nach sehr, sehr kurzer Zeit hat er die restlichen Wellen auch für sich. An Land sitzen von so viel Talent entmutigte Wellenreiter auf ihren Boards und machen ein langes Gesicht.

Tag 4

Wieder kein Wind! Ich könnte wür… Dafür haben wir uns gestern trotz Sonnencreme noch richtig schön verbrannt. Unsere Füße haben die Farbe von gekochtem Hummer und fühlen sich bestimmt auch gleich an. Also heute schon mal nicht an den Strand. Alternative: Quad fahren- wollt ich schon immer mal machen. Halb drei können wir ihn für 3,5 Stunden/ 40 Euro ausleihen. Auf der Straße Richtung Espargos biegen wir links ab und fahren quer durch die Mondlandschaft. Das macht riesig Spaß. Nach ca. 4 km kommen wir an die erste Bucht. Dort liegen Tonnen von gedrehten Muscheln. Das haben wir vorher noch nie gesehen. In den Ritzen und unter Steinen liegen hunderte Seeigeln mit ihrem Stacheln.DSCF3385 Kurz hinter Mudeira liegt eine wunderschöne Bucht, direkt unterm Berg. Leider ist die Bucht mehr zum Anschauen und nicht zum Baden, da das komplette Ufer mit Lavagestein bedeckt ist. Beim Anschließenden Tanken versucht uns der Tankwart auf 20 Euro (für 7 Euro getankt) um glatt 12 Euro zu bescheissen. Leider ist das nicht der erste Betrugsversuch.

Tag 5

Wir haben Wind- Endlich. Zwar nicht viel, aber ausreichend zum cruisen. In der Bucht von Santa Maria ist der Wind zwar etwas böiger, dafür ist der Platz pro Kiter unschlagbar. Wir sind in der Bucht mit max. 6 Leuten auf dem Wasser. Die Kulisse ist traumhaft. Nur das Shark seeing Boot, das zwischen uns fährt, kriegt uns etwas verunsichert. Am Strand beim Warten auf den nächsten Wind erzählt uns jemand aus Leer tolle Storys über Haiattacken an Stellen, wo sonst nie etwas passiert.DSCF3400 15 Minuten später badet mein Arsch im Wasser, mein Board liegt 20 Meter hinter mir und der Wind ruht sich aus. In den Momenten offenbart sich erst, wie viel Fantasie in einem verborgen ist- Ergebnis bei mir- eine Menge! Am Abend laufen wir auf dem Weg zur Restaurantmeile direkt an einem kleinen „Imbiss“ vorbei mit drei Tischen und Grill auf der Straße. Es riecht unglaublich gut. Kurzerhand beschließen wir zur viert das Ganze zu testen. Nach einem halben Wasserglas voll mit dem kapverdischen Grog haben wir riesigen Hunger und sind schon ziemlich gut gelaunt. Auf unseren Tellern liegen gegrillte Fische und Hähnchen? (bin mir echt nicht sicher) mit Reis, Pommes und Salat. Für unschlagbar 300 Escudos ( 1€= 110 cve). Das war das erste Mal auf der Insel, dass wir richtig vollgefuttert sind. Sonst sind Portionen eher klein gehalten.

Tag 6

Etwas Wind an der Shark Bay. Für mich reicht gerade so, aber meine bessere Hälfte möchte erst einmal nicht angesprochen werden. DSCF3411Kann ich gut verstehen. Die Windausbeute hält sich für uns sehr in Grenzen. Hätten wir Flysurfer dabei gehabt oder Leichtwind- Kites  hätten wir sicherlich mehr Spaß gehabt. Zum Abschluss gehen wir „Zum Fisherman“. Das Essen ist phantastisch. Die Fischplatte ist wirklich zu empfehlen. Kostet pro Personen 1200 cve, ist reichlich und sehr, sehr lecker. Zusammengefasst zu Insel: Der Caipirinha ist überall sehr gut vom Geschmack (wir haben extra viele Caipis getestet) und der Preis in Ordnung (ca.2-3 €), es gibt gutes Essen mit sehr unterschiedlichem Preisniveau. Leider muss man wirklich immer die Rechnung kontrollieren. Das kann schon etwas Nerven kosten- lohnt sich aber in jedem Fall. Günstiger kommt man in jedem Fall weg, wenn man in Escudos (cve) bezahlt. Man zahlt dann ca. 10% weniger als in Euros. Die Surf Spots sind sehr unterschiedlich. Santa Maria ist idyllisch mit dem türkisen Wasser und ein toller Spot mit Sideshore. Der Wind ist etwas böiger, aber die Bucht ist nicht sehr voll. DSCF3240Shark Bay ist ziemlich voll und an die Riffe im Wasser muss man sich erst gewöhnen. Ich bin mit dem Waveboard in voller Fahrt über ein Riff geratscht und habe danach nur gehofft, dass ich nicht stürze. Als Ausgleich für die Riffe ist der Wind konstanter und immer etwas mehr als bei Windfinder angegeben. Die Wellen machen wirklich Spaß und man kann in den Pausen den Weltmeistern von heute und von morgen zuschauen.

 

 

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